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Wirtschaft

07.06.2017 - Artikel

Stand: Mai 2018

Überblick

Libanon hat eine lange Tradition als Handelsnation. Dabei kommt dem Land eine liberale Wirtschaftsordnung ebenso zustatten wie die vielfältigen Verbindungen ins Ausland – vor allem aufgrund der zahlreichen Auslandslibanesen.

Der Bürgerkrieg und die Kampfhandlungen infolge der Auseinandersetzung mit Israel 2006 haben erhebliche wirtschaftliche Schäden verursacht und die Rolle des Landes als Drehscheibe für Handel und Dienstleistungen im Nahen Osten nachhaltig beeinträchtigt. Spuren sind trotz des Wiederaufbaus der Innenstadt von Beirut bis heute zu sehen und haben sich in das kollektive Bewusstsein der Bevölkerung eingegraben. Nach wie vor florieren die libanesischen Banken und Finanzdienstleister.

Von den Folgen der Weltwirtschaftskrise waren die libanesischen Banken nicht in gleichem Maß betroffen wie die europäischen und nord-amerikanischen Unternehmen.

Im Zuge des Bürgerkriegs in Syrien brach der Tourismussektor, bis dahin ein wichtiger Pfeiler der Wirtschaft, deutlich ein. Außerdem brach mit Syrien ein wichtiger Absatzmarkt weg, und der Transit in die Golfstaaten, die hauptsächlichen Abnehmer von landwirtschaftlichen Produkten, wurde erschwert. Kapitalüberweisungen von Auslandslibanesen (circa 8 Mrd. USD pro Jahr) sorgen trotz schwacher Binnenwirtschaft für eine gewisse Stabilität.

2017 betrug das libanesische BIP etwa  53,1 Milliarden USD mit einem Wachstum von circa 1,0 Prozent. Der Dienstleistungssektor (insbesondere Tourismus, Kreditwirtschaft, Bausektor) trägt traditionell etwa drei Viertel zum BIP bei, gefolgt von der Industrie (circa 20 Prozent) und der Landwirtschaft (circa 5 Prozent).

Seit der von Frankreich initiierten Investorenkonferenz CEDRE am 6.April 2018 in Paris rechnet Libanon mit Förderungszusagen durch die internationale Gemeinschaft in der Höhe von geschätzten 11 Milliarden USD. Dabei handelt es sich in erster Linie um Zusagen für Darlehen internationaler Entwicklungsbanken, die Investitionsprojekten in den Bereichen Energie- und Wasserversorgung, Telekommunikation, Transport sowie Bildung und Gesundheit dienen sollen.

Haushalt

Das Parlament hat nach einer Pause von 12 Jahren erstmals 2017 und 2018 Haushalte beschlossen. Die wechselnden libanesischen Regierungen hatten zuvor auf Basis des 2005er-Haushalts ihre Amtsgeschäfte geführt. Das Haushaltsgesetz 2018 sieht eine Defizitreduktion vor, die libanesischen Ministerien sind dabei angehalten ihre Ausgaben um durchgehend 20 % zu reduzieren.  

Die Staatsverschuldung mit ggw. 151 Prozent des BIP ist weiterhin eine der höchsten der Welt. Davon sind knapp 40 Prozent Auslandsschulden. Der Staat hat gegenwärtig keine Probleme, seine Schulden zu refinanzieren (die Staatsreserven lagen Ende des Jahres 2017 bei circa 42 Milliarden USD, ohne Goldreserven). Belastet wird der libanesische Haushalt durch die Zusatzausgaben im Rahmen der Präsenz von ca. 1 Million Flüchtlingen aus Syrien im Land.

Die hohe Staatsverschuldung belastet auch die Kreditvergabe an die Privatwirtschaft. Ausländische Investitionen fließen hauptsächlich in Immobilien (vornehmlich Investoren aus den Golfstaaten) und in den Erwerb von Anleihen und Wertpapieren, dabei haben die Einlagen aus dem Ausland in den vergangenen Jahren erheblich abgenommen. Mehrfach angekündigte Privatisierungen - in erster Linie in den Bereichen Telekommunikation und Elektrizität -, deren Erlös ausschließlich zum Schuldenabbau eingesetzt werden sollte, wurden immer wieder verschoben, sollen nun aber in der Folge der Investitionskonferenz CEDRE in Angriff genommen werden.

Gas- und Ölressourcen

Große Hoffnungen verknüpft der Libanon mit den vor der libanesischen Küste vermuteten Erdgas- und Erdölreserven (auf 30 Billionen Kubikfuß Gas und 660 Millionen Barrel Öl geschätzt). Lizenzen zur Exploration der Blöcke 4 und 9 wurde an ein internationales Konsortium aus Eni, Total und Novatek vergeben, diese soll 2020 abgeschlossen sein.

Außenhandel

Libanon weist eine negative Handelsbilanz auf, mit einem Defizit von ca. 20,29 Milliarden USD in 2017. Im Jahr 2017 wurden Waren im Wert von 23,13 Milliarden USD importiert, darunter vor allem Erdölerzeugnisse, Kraftfahrzeuge, elektrische Maschinen, chemische Erzeugnisse, Kleidung, Fleisch und lebende Tiere, Konsumgüter, Papier, Textil-Gewebe und Tabak. Exportiert wurden Waren im Wert von 2,84 Milliarden USD. Der Austausch mit der EU macht für das Land rund 35% seiner Handelsbeziehungen überhaupt aus.

Aus Deutschland importiert Libanon vor allem Kraftwagen und Kraftwagenteile, Maschinen, chemische und pharmazeutische Erzeugnisse. Dieses Importvolumen betrug im Jahr 2016 circa 845 Millionen Euro. Deutschland gehört mit zu den größten Importpartnern für Libanon . Nach Deutschland exportierte Libanon 2016 Waren im Wert von 54,5 Millionen Euro.

Der Großteil des libanesischen Exports wurde traditionell über das syrische Nachbarland abgewickelt (Exportroute in die Golfstaaten). Der Konflikt in Syrien, und die Schließungen der Grenzübergänge zu Jordanien und Irak erschweren diesen Export erheblich und dämpfen das libanesische Wirtschaftswachstum. Die "Investment Development Authority" richtete alternative, subventionierte Seerouten ein. Diese blieben zwar für viele Landwirte zu teuer, hatten aber einen positiven Nebeneffekt für den Beiruter Hafen.

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